Sara Bennett – Ein Long Dark Roman

Prolog

Quonset-Tankstelle. Hier war ich früher oft Einkaufen. Im Prinzip ist das der einzig richtige Laden an der Küste den wir hatten. Hatten ist ein gutes Wort. Es ist gar nicht solang her das hier noch Leben existiert hatte.

Doch das ist jetzt gute zwei Wochen her. Vielen Menschen sind verschwunden. Das habe ich nicht bemerkt. Wie konnte ich auch. Ich lag einen guten Tag in meinem Haus. Die Tür eines meiner Hängeschränke kam mir entgegen und traf mich am Kopf. Mir brummt heute noch der Schädel wenn ich daran denke. Aber das ist nicht das größte Problem das ich habe. Nein. Wie es scheint bin ich hier allein. Wir haben zwar im Winter viel Schnee aber es ist gerade nicht Winter. Es ist eigentlich Sommer. Zwar Ende aber immer noch Sommer. Wir sollte eigentlich Temperaturen um die 20°C haben. Aber es ist nichts. Ach nein. Ich vergaß. Schnee und Eis dominieren nun die Landschaft. Abgesehen davon ist es Kalt. So stehend Kalt das es schwer fällt sich draußen zu bewegen. Wir haben schon viel erlebt. Doch dies nicht. Jedenfalls stehe ich nun in der Tanke und hoffe auf einige letzte Vorräte. Wobei ich am Überlegen bin hier her „zu ziehen“. Mein Haus ist nicht mehr so gut in Schuss. Eigentlich wollte ich es noch Winterfest machen. Aber das hat sich nun erledigt. Das Dach wäre fällig gewesen. Es ist nicht mehr in so gutem Zustand.

Aber ich glaube das ist nun vorbei. Nun geht es ums Überleben. Nur das zählt jetzt.

Tag 1

Ich habe angefangen ein Tagebuch zu führen. Eigentlich bin ich nicht der Typ für so etwas. An sich denke ich das es niemand wissen muss was ich denke. Doch die Zeiten haben sich geändert und möglicherweise ist das wichtig für mich. Vielleicht retten sie mir eines Tages das Leben. Oder das eines anderen sollte ich scheitern. Scheitern. Ein Wort das ich nie benutzt habe. Aber angesichts der Aussicht ist es wohl mehr als passend, wie mir scheint. Die Suche nach Lebensmitteln und Kleidung ist aktuell das A&O für mich. Zum Glück habe ich eine passende Kleidergröße. Bestellen ist wohl nicht mehr, wie mir scheint.

In der Tankstelle gab es noch einige Vorräte. Ich kenne… nein ich kannte den Betreiber sehr gut weswegen ich immer zu viel Respekt davor hatte mich auch nur im Gedanken an seinem Hab und Gut zu vergehen. Doch das ist schon eine Weile her und ich hoffe das Marc es verstehen wird wenn ich seinen Laden benutzte beziehungsweise seine Vorräte verwende. Es dient meinem Überleben und mehr als mein Leben habe ich nicht mehr. Mehr ist mir einfach nicht geblieben. Sollte sich alles bessern und Marc wieder kommen werde ich meine Schuld bei ihm begleichen. Ich denke er wird es verstehen. Wenn ich es recht bedenke dann habe ich auch die anderen Häuser aus diesem Grund nie angerührt. Eigentlich will ich das auch gar nicht da es gegen meine Ideale ist. Es entspricht mir nicht das ich mich an fremder Leute Eigentum zu schaffen mache. Ist es gerechtfertigt aus dem Grund des Überlebens heraus so etwas zu tun? Darf ich das?

Andere tun das sicher ohne sich so viele Gedanken zu machen. Aber Gedanken hin oder her. Die Nacht wird sicherlich bald herein brechen. Vielleicht sollte ich einen letzten Abstecher in mein Haus machen. Retten was noch zu retten ist und schleppen was ich weg bekomme. Die Tankstelle ist ohne Frage sicherer als mein Heim.

Mein Haus steht zwar noch aber es ist in einem wirklich schlechten Zustand. Ich könnte hier so oder so nicht mehr lang bleiben. Es kühlt auch von Tag zu Tag mehr aus. Es kann den kalten Wind und den Schnee kaum stand halten. Also ist der „Umzug“ in die Tankstelle keine schlechte Idee. Zumindest für vorerst. Wer weis was noch kommen mag. Die nächsten Tage könnten hart werden. Oder auch nicht. Zumindest habe ich alles dabei was ich tragen kann und bringe es in die Tankstelle.

Auf dem Weg zurück zur Tankstelle habe ich etwas gesehen. Ich weis wirklich nicht ob das echt war. Aber wenn doch dann trampelt ein Bär so einfach durch die Küstenstadt! Ich bin mir nicht sicher ob er mich bemerkt hat oder nicht. Aber er hat auch keine Anstalten gemacht mir hinter her zu kommen. Aber ich will nicht heraus finden müssen ob das nur ein Zufall war oder nicht. Zum Glück muss ich nicht mehr hin aus. Die Nacht kommt bald. Und dann wird es fürchterlich kalt draußen. Und deshalb werde ich schön im warmen bleiben und es mir heute Nacht in dem kleinen Bett im hinteren Teil der Tankstelle gemütlich machen.

Tag 2

Die Nacht habe ich gut überstanden. Es gab auch viel zu tun. Einige Kleidungsstücke musste ich flicken. Eigentlich bin ich nicht besonders gut darin. Viel habe ich von meiner Mutter gelernt. Aber es gibt sicher noch mehr das ich lernen kann. Mein Parka sieht zwar mehr aus wie ein Flickenteppich aber er hält mich dennoch warm. Also habe ich das wohl ganz gut hinbekommen. 

Nun frage ich mich aber ob ich wirklich gestern einen Bären gesehen habe oder ob ich mich einfach nur getäuscht habe. Die Fenster sind zu gefroren. Draußen ist nichts zu erkennen. Also muss ich einen Schritt vor die Tür wagen um herauszufinden ob ich mich getäuscht habe oder nicht. Außerdem brauche ich bald wieder Feuerholz. Der Sturm, von gestern und ich glaube auch heute Nacht dürfte so einige Äste und Zweige abgetrennt haben. Deshalb muss ich jetzt hinaus. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Solang mich nichts pelziges überrascht.

Ich war gerade dabei an dem Haus, welches direkt hinter der Tanke steht einige Zweige aufzusammeln als ich Schritte hörte. Und ich habe mich tatsächlich nicht geirrt. Nur einige Meter von mir entfernt ist ein Bär vorbei gelaufen. Mein Herz hing mir fast im Hals als ich ihn sah. Wie es scheint habe ich verdammtes Glück damit das er mich nicht bemerkt oder schlicht und ergreifend einfach ignoriert hat. Um auf Nummer sicher zugehen bin ich in das Haus hinein. 

Ich weis wer her gewohnt hat. Die Alte Dame Reid. Ruby Reid. Sie war Schriftstellerin. Ihre Bücher waren Romane über das Überleben in der Wildnis. Früher, in ihren jungen Jahren nahm sie oft am Schlittenhunderennen Teil. Dem größten den es in Kanada gab. Sie war recht gut und schaffte es jedes Jahr unter die Top 3. Sie gewann sogar drei Rennen des Trails. Ich frage mich ob sie noch einige ihre Bücher hier stehen gelassen hat. Ich würde gern einen Blick hinein werfen. Ich hoffe sie kann mir verzeihen das ich ihre Vorhänge herunter gerissen habe. Aber ich kann den Stoff gut gebrauchen. Wenn alles wieder im Lot ist und sie wieder zurück kommt werde ich ihr neue besorgen. Vielleicht kann ich dann so gut nähen das ich ihr selbst welche mache. Das wäre wenigstens das mindeste was ich tun könnte. Aber nun zurück zu dem Bären. Ich muss wieder in die Tankstelle zurück. Mehr noch. Ich brauche immer noch dringend Feuerholz. Also muss ich wieder nach draußen. Ob ich will oder nicht. Mir bleibt nur zu hoffen das der Bär verschwunden ist.

Ich habe richtiges Glück! Er ist verschwunden. Gott sei Dank! Jetzt geht es mir gleich viel besser. Nun kann ich in Ruhe mein Problem mit dem Feuerholz angehen. Das heißt solang ich nicht wieder gestört werde.

Es zieht Nebel auf. Nun weis ich warum der Bär verschwunden ist. Jetzt kann ich nur hoffen das es nicht noch schlimmer wird. Es könnte ein schwerer Sturm über die Küste fegen. Und das wäre nicht so gut. Ich denke nur daran das die Tanke beschädigt werden könnte. Sicherlich werden die Tanks ohnehin leer oder zugefroren sein. Das bedeutet aber nicht das der Sturm nicht dennoch schwere Schäden verursachen kann. Es dürfte jetzt fast Mittag sein. Aber in diesem Nebel kann man kaum noch die Hand vor Augen sehen. Es ist als würde es dämmern obwohl das noch lange hin ist. Außerdem kann man sich nur schwer in diesem Nebel orientieren. Kaum das man den Weg findet und nicht über etwas stolpert. Trotz des Nebels habe ich sehr viel Brennmaterial gefunden. Damit komme ich eine Zeit lang hin. Ich denke das gesammelte reicht für diesen Tag aus. Die nächste Nacht kann ruhig kommen.

Ich hörte während ich ruhte den Sturm außerhalb der Tanke. Außerdem kann ich hören wie das Dach scheppert. Es ist nicht so als ob man nicht schlafen könnte aber es beunruhigt doch ein wenig. Mir bleibt nur zu hoffen das die Tanke länger dem Wetter stand halten kann als mein altes Haus. Irgendwie vermisse ich es schon. Es waren schön Erinnerungen. Aber ich hätte unmöglich bleiben können, denke ich. Es war besser so. Auch wenn es mehr für mein Gewissen ist mir das zu sagen.

Tag 3

So langsam aber sicher traue ich mich in andere Gebäude hinein. Bei der Familie Johnson die direkt neben mir gewohnt hat fand ich einen Dosenöffner. Das ist für mich eine totale Offenbarung. Nun kann ich endlich die Dosen ohne Verlust auf machen. Das ist einfach der Wahnsinn. Etwas so gewöhnliches wird zu einem absoluten Fund für mich. Traurig das bislang niemand außer mir hier ist. Das es keinen weiteren Überlebenden geben soll?

Das klingt komisch. Und eigentlich kann ich es nicht glauben das dem so sein soll. Ich hätte damals schon diese blöde Tür reparieren sollen. Aber immer gab es wichtigeres. Wenn das nicht gewesen wäre wäre ich wohl mit den anderen hier raus gekommen. Das ist einfach nur blanke Ironie. 

Es ist jetzt fast einen Tag her. Der Nebel, welcher gestern Mittag aufgezogen ist, beginnt sich langsam aufzulösen. Ich kann wieder mehr sehen. Und wieder sehe ich Wölfe die auf dem Eis herum laufen. Ich bin mir sicher warum sie sich dort aufhalten. Vielleicht sehen sie die Fische und versuchen einen Zugang zu finden. Oder aber sie meiden den Ort wegen dem Bären. Dieser ist aber, zu meinem Glück, noch nicht wieder aufgetaucht. Eigentlich ist es mir nicht bewusst das es hier eine Bärenhöhle geben soll. Davon hatte Sheriff Dawson nie etwas gesagt. Das würde dann bedeuten das er aus den Bergen käme. Dort könnte sich eine solche Höhle befinden. So lang er nicht auf Menschenfleisch abfährt dürfte das in Ordnung gehen aber das kann ich nicht sicher wissen. Wenn er auf der Suche nach Nahrung nichts findet könnte er sehr aggressiv sein. Ich sollte jeden Kontakt mit einem solchen Tier meiden. Das Überleben ist ein täglicher Kampf. Und das betrifft wohl jedes Lebewesen.

Es liegt soviel Holz hinter der Tankstelle das ich damit sehr lange Heizen könnte. Aber mir fehlt ein Holzfällerbeil oder eine entsprechende Axt dafür. Mit den bloßen Händen kann ich das Holz nicht zerkleinern. Das ist unmöglich. Vielleicht im Haus der McCains auf dem Hügel. So weit ich weis hatten sie einen Kamin. Also könnten sie auch eine Axt haben.

Das Haus der McCains war aber auch eine Nullnummer. Keine Axt. Nicht einmal ein kleines Beil. Gar nichts. Das ist etwas frustrierend. Aber ich muss weiter suchen. Ich werde früher oder später eine finden. Das klang jetzt vielleicht etwas selbstsicherer als es geplant war. Schlussendlich bin ich mir nicht einmal sicher ob ich überhaupt so viel Zeit habe. Die Vorräte sind begrenzt. Und… was wird dann?
Ich sollte zur Tanke zurück. Der Tag ist kaum zur Hälfte vorbei und ich bin schon jetzt total fertig. Mit den Nerven, wohl gemerkt.

Tag 4

Heute morgen ging es wieder. Allein der Gedanke daran das ich schon eine Weile in dieser Trostlosigkeit hocke und niemand mehr hier sein soll ist schwer zu begreifen. Man sieht sich um und sieht all die Häuser, Gebäude und Anzeichen der Zivilisation. Aber Zivilisation ist eine Illusion. Es gibt nichts mehr von Zivilisation. Hier ist nichts mehr!

Nein. Das stimmt auch wieder nicht. Hier ist nichts nicht mehr. Hier ist immer noch „ICH“. Ich die allein durch diese Ödnis wandert? Das klingt nach blanker Ironie… 
Es dauert eine Weile bis… Bis man damit klar kommt, denke ich. Ich wünschte ich hätte eine Kamera und könnte einige Bilder einlegen. Das würde mich sicher auf andere Gedanken bringen.

Ich bin zum Stadtrand gegangen. Dort stehen die Häuser von Thompson, Bell und Davis. Gut das Haus von Davis ist zerstört. Ich hoffe das die Familie es heraus geschafft hat. Ich kannte wirklich jeden hier an der Küste. Wenn man bedenkt das der Ort nicht so groß ist und es nicht so viele Hütten gibt. Aber in der Zeit wo keiner seinen Nachbarn kennen will ist das schon eine gewisse Leistung. Vielleicht finde ich im Haus der Bells oder Thompsons etwas nützliches.

Im Grunde komme ich mir vor wie ein Dieb. Sich in den Häusern der Einwohner um zu sehen ist wie Diebstahl. Klar. Es ist auch nichts anderes. Situation hin oder her. Doch macht eine Notlage es weniger schlimm? Es weniger falsch oder illegal?

Ich frage mich was passiert wenn ich keine Vorräte mehr in den Häusern finde. Wenn es niemanden gibt der noch nach Überlebenden sucht. Keinen der sich mehr darum kümmert ob noch jemand da draußen ist. Stirbt dann die Menschlichkeit? Und was macht diese Menschlichkeit eigentlich aus?
Ist es nur das man hilft wenn man kann. Aber nicht jeder tut das. Andere nehmen auch einfach wenn sie es wollen. Ist in einer solchen Welt noch Platz für Menschlichkeit?

Ich habe eindeutig zuviel Zeit zum nachdenken. 

Der Alte Baldwin war wirklich ein sehr spezieller Charakter. Er wohnt auf der kleinen Insel draußen am See. In den warmen Jahreszeiten ist er immer mit dem Boot gekommen. Er war zwar nie besonders beliebt doch die Leute haben auch ihn wie jeden anderen behandelt. Ich mochte ihn. Er sagte stets was er dachte. Ein mal, im Sommer, grillten wir zusammen bei seinem Haus. Es war schön. Wir genossen den Anblick der Sonne wie sie, scheinbar, im Wasser versank. Er war sehr einsam, denke ich. Ich hoffe das es ihm gut geht.

Nach meinem „Rundgang“ bin ich wieder zur Tanke zurück. Mein Rucksack und die Taschen waren voll gefüllt. Ich habe sogar einen Hasen erledigt. Tut mir leid kleiner das du für mein Überleben dran glauben musst.

Ich war geschafft von der Reise und legte mich hin als ich in der Nacht von einem seltsamen Geräusch geweckt wurde. Die Angst stieg in mir hoch doch dann sah ich es. Die beiden Röhren über dem Schreibtisch flackerten. Der Computer lief auf einmal wieder. Und auch die Lampen in den anderen Räumen brannten wieder. Es war wie Geisterstunde und unheimlich gruselig. Ich bin nach draußen geeilt um zu sehen ob vielleicht jemand hier angekommen war um nach Überlebenden zu suchen. Doch das einzige das mich begrüßte war der Sturm und das Nordlicht.

Ob das Nordlicht dafür verantwortlich sein kann? Aber es gibt keinen Strom hier. Wie kann dann alles was Strom braucht wieder funktionieren und das nur wegen dem Nordlicht?
Das klingt weit her geholt.

Tag 4

Am Morgen war der „Spuck“ schließlich wieder vorbei. Das Licht war aus, so wie immer. Der Computer schwieg wieder. Das Nordlicht war verschwunden und lies die Welt – mich – zurück wie es sie vorgefunden hatte. Es wirkte wie ein Traum aber es war echt, denke ich.
So wie sich dieses Bild, gestern Nacht, bot muss ich davon aus gehen das sich die Welt mehr verändert hat als ich geahnt habe. Das ein Nordlicht elektrische Geräte wieder zum laufen bringt ist seltsam. Das kann eigentlich nicht passieren. Ich bin zwar ein Physik Professor aber so viel weis ich mit Sicherheit. Etwas seltsames geht hier vor sich.

Jedoch würde ich mir wünschen das jemand kommt und nach Überlebenden sucht. Dann würde ich einen Weg aus dieser Hölle finden. Oder wenigstens jemanden zum reden. Mehr bräuchte es schon gar nicht.

Der Blick aus dem Fenster offenbart mir das der Morgen langsam dämmert. Es dauert nicht mehr all zulang bis die Sonne aufgeht. Doch wie geht es dann weiter? Was mache ich dann? 

Wo fange ich an und was wird aus meinem Leben wenn es keinen gibt der nach mir suchen kommt? Ewig werde ich nicht hier bleiben können. Doch wohin soll ich gehen? Ich habe keine Ahnung ob die Straßen noch existieren. Und blind links raus zu gehen und irgendwohin zu laufen wird auch nichts bringen. Nein. Schlimmer noch das die Wölfe und Bären draußen herumlungern. Sie machen die Sache noch gefährlicher als es das nun unberechenbare Wetter ohnehin schon tut.

Da es kein Benzin oder Diesel mehr gibt kann ich auch kein Auto nehmen. Abgesehen davon würde die so oder so nicht anspringen, vermute ich.
Diese ganze Situation sieht mehr als nur hoffnungslos aus. Gibt es überhaupt einen Ausweg aus diese Lage?

Meine Gedanken springen hin und her. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist alles vertreten was sich nur vorstellen kann. Es ist wie eine Art Ausnahmezustand. Ich bin einfach aus der Tanke raus und gelaufen. Dabei habe ich in den Hügeln hinter den Häusern einen kleinen Wohncontainer gefunden. Dabei dürfte es sich um den Wohncontainer für die Holzfäller handeln. Sie waren hier vor kurzem angekommen. Außerdem habe ich ein Seil an einem Berg gefunden. Jemand muss es dort festgemacht haben. Einen Augenblick lang habe ich überlegt ob ich den Weg nach oben nehmen sollte. Ich war mir unsicher ob das wirklich eine gute Idee ist.

Es ist schön draußen. Es geht kein Wind und die Temperatur ist nur leicht frisch. Wahrscheinlich etwas unter Null. Die Sonne scheint und es wirkt so als wenn alles gut wäre. Als wenn es wie immer wäre wenn der Winter bei uns langsam anfängt. Immer noch denke ich über die Möglichkeit nach in die Berge zu gehen. Zu sehen was dort ist. Wohin das Seil mich bringen könnte. Doch immer wieder denke ich daran das ich abstürzen könnte. Das dort oben etwas ist das ich nicht sehen will. 

Ich glaube ich werde die Straße entlang gehen. Weiter unten ist eine kleine Anlage. Dort wurde oft Holz – also Baumstämme – angeschwemmt die dann verarbeitet oder verschifft wurden. Vielleicht sollte ich dort weiter machen. Sehen ob ich ein Beil oder eine Axt finde. Zumindest bringt mich die Suche nach diesem Gegenstand auf andere Gedanken.

Also bin ich der Straße entlang gegangen die durch die Region führt. Nicht weit von unserem kleinen Heim entfernt war die Straße eingestürzt. Ein Auto stand davor. Das muss offensichtlich kurz nach dem Ereignis passiert sein. Scheinbar wollte jemand noch durch die Region zu einem Sammelplatz kommen. Und nicht weit dahinter liegt auch schon das Lager zu dem ich gehen will.

In dem kleinen Holzfällerlager fand ich einige Vorräte. Aber auch wieder kein Beil oder eine Axt. Als ich durch das Haus und den kleinen Trailer geschlichen bin habe ich darüber nachgedacht das ich bald ein Versorgungsproblem bekommen werde. Die Vorräte werden sicher bald knapper. Und die Wölfe könnten aggressiver werden. Die Bären… von denen möchte ich nicht erst anfangen. Die könnten sicher noch gefährlicher sein als die Wölfe.

Doch bis jetzt bin ich um das alles herum gekommen. Klar ist ein Bär durch die Stadt gewandert. Aber das ist auch nichts besonderes. Eigentlich… doch jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Der See ist, jetzt schon, zugefroren. Eigentlich sind es noch einige Wochen bis das so wäre. Die Tiere spüren sicher die Veränderung der Welt. Sie werden sich anpassen. Doch passen wir uns an? Sind wir in der Lage dazu uns an die neuen Umstände anzupassen? Wenn wir das nicht schaffen verlieren wir den Kampf gegen die natürliche Auslese und werden untergehen.

Erfolg! Als ich durch den Schnee watete stieß ich auf etwas hartes. Direkt vor einem Baumstumpf lag etwas im Schnee. Ich wühlte und grub es aus. Dort lag ein Beil im Schnee. Es muss herunter gefallen sein. Endlich kann ich Kleinholz verarbeiten. Echt eine tolle Sache!

Aber nun muss ich zum Lager zurück. Ich bin beladen und muss das Zeug los werden.

Eine große Ladung Holz habe ich in wenigen Stunden zusammen bekommen. Das habe ich meinem neuen Beil zu verdanken. Nun muss ich nicht mehr so mühselig kleine Stöcke sammeln für ein Feuer. Mit diesem Vorrat an Holz werde ich eine Weile durchkommen. Jetzt habe ich den Kopf frei für andere Dinge. Zum Beispiel wie ich weiter mache. Wohin ich gehen sollte. Was ich finden könnte. Ob die Nordlichter mir vielleicht die Chance geben hier heraus zu kommen?

Heute Abend ist es wieder passiert. Ich wollte mich gerade hinlegen als die Nordlichter wieder die ganze Stadt zum leben erweckte. Es ist einfach gruselig zu sehen wie dieses Naturereignis dafür sorgt das alles wieder funktioniert obwohl es keinen Strom gibt.

Ich wünschte wirklich es gäbe jemanden der mir dieses Phänomen erklären könnte. Aber vielleicht ist das auch kein natürliches Ereignis und dürfte gar nicht passieren. Es wäre schön wenn ich eine Antwort darauf hätte.

Tag 5

Eigentlich ist es nicht der 5. Tag an dem ich in dieser Einöde lebe. Aber es ist der 5. Tag seid ich begonnen habe dieses Buch zu führen. Das ist länger als ich es sonst getan hätte. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen den Hang hinauf zu klettern. Ich würde gern wissen was sich um mich herum befindet. Wissen ob ich vielleicht etwas übersehen habe. Vielleicht gibt es einen Ausguck in den Bergen mit dem ich alles überblicken kann. Das wäre wenigstens ein Anfang zu wissen ob es noch etwas gibt.

Obwohl es nebelt komme ich gut voran. Ich hege ein wenig die Hoffnung das ich im Nebel den Wildtieren entgehen kann. Das sie mich vielleicht nicht so gut wittern können. Das wäre ein kleiner Vorteil für mich. Allerdings habe ich noch immer leichte Bedenken was den Zugang in den Berg angeht. Ich hoffe einfach das ich es packe. Nicht abrutsche oder den Halt am Seil verliere. Das ist ohne Netz und doppelten Boden. Ein Fehler wäre mein Ende.

Trotz aller Bedenken habe ich es getan und es war wie ein Adrenalinstoß. Wie ein Kick. Ich hatte zwar Angst aber die Neugier überwog. Es war atemberaubend. Ich fühle mich grad super!

Es scheint sich aber nur um eine Abkürzung in die Berge zu handeln. Mehr nicht. Es gab hier eigentlich nichts nennenswertes zu sehen oder zu finden. Ich bin auf die Straße gestoßen die in die Berge führt. Ob diese Straße früher von Forstarbeiten benutzt wurde oder aber ob es hier eine Rangerstation gab kann ich nicht sicher sagen. So viel bin ich auch nicht herum gekommen. Allerdings scheint es in diesen Bergen Wölfe zu geben. Es könnte sicherer sein erst weiter nach oben zu gehen wenn es klarer ist. Damit ich wenigstens sehen kann was auf mich zu kommt.

Und das tat ich auch. Ich habe eine gute Stunde in dem kleinen Trailer zugebracht der hinter den Häusern in den Bergen stand. Etwas geschlummert und ein wenig Karten gespielt. Und dann wurde es etwas klarer draußen. Der zweite Aufstieg war schon etwas schwerer als der erste. Ich bin wohl etwas Müder als ich gedacht habe. 

Ich bin der Straße nun ein ganzes Stück gefolgt und ich hätte nicht gedacht das ich nochmal irgendwo ankäme. Doch am Rand der Straße stand doch der vermutete Ausguck. Es gibt hier tatsächlich einen.

Nun bin ich gespannt was ich hier entdecke.

Die Umgebung sieht wunderschön aus. Selbst unter diesen Umständen noch. Aber ich habe nichts gesehen was ich nicht kenne. Zumindest im Tal an der Straße. Was nun, wäre die Frage. Aber egal wie lang ich hier oben stehen und auf das Tal blicken würde. Ich würde dennoch keine Antwort finden. Oder doch? Vielleicht komme ich hier her zurück. Es ist ja schon ein lauschiges Plätzchen, muss ich gestehen.

Heute Abend ist es wieder passiert. Das Nordlicht hat den Computer wieder zum Leben erweckt. Es ist nach wie vor gruselig. Es stehen immer verschiedene Meldungen auf dem Bildschirm. Aber auch Dokumente sehe ich. Sie verschwimmen manchmal als würde etwas die Anzeige stören.

Es ist sehr seltsam. Immer noch.

Tag 6

Fast eine Woche habe ich hinter mich gebracht. Fast.
Aber ich bin immer noch unsicher was ich machen soll. Soll ich mich auf den Weg machen andere Orte zu finden? Aber vielleicht gibt es auch nichts mehr außer das was ich hier habe. Einen Erdrutsch habe ich schon gesehen. Es kann gut sein das es noch mehr als nur diesen gibt. Sicher kann ich mir nicht sein das die Straßen noch existieren. Es könnte auch alles verschüttet sein. Wiederum hier zu bleiben wird dafür sorgen das es irgendwann Probleme mit der Nahrung gibt. Es wird irgendwann alles leer sein. Es ist ein Für und Wieder. Aber eines ist es sich nicht. Einfach.

Tag 7

Heute Nacht bin ich recht früh aufgewacht. Ich kümmerte mich um einige Belange für Vorräte. Ging Nachts nochmals in das hinter der Tanke stehende Haus um etwas Kleinholz zu machen. Es tut gut auf Dinge mit einer Axt einzuschlagen. Aber deswegen wird mein Vorrat an Lebensmitteln auch nicht mehr. Ich muss mir also was einfallen lassen. In einer der Schubladen fand ich ein Buch. Es handelt vom Überleben in der Wildnis ohne Hilfsmittel. Außerdem zeigt es einige Beispiele wie man verschiedene Dinge herstellen kann. Unter anderem Kleidung. Das brauche ich zwar aktuell nicht aber es kann sicher nicht schaden.

Desweiteren hatte ich überlegt ob ich mir etwas Angelzeug bauen könnte. Es soll laut dem Buch recht einfach sein. Etwas Schnur und einen gebogenen Hacken. Mehr ist es nicht. Sollte sich einfach machen lassen.

Nur leider fehlt es mir dafür an etwas das ich zu einer Schnur verarbeiten kann. Ich kann zwar aus getrocknetem Darm eine machen aber das ist mein Problem. So etwas habe ich nicht. Ich denke ich muss mir etwas einfallen lassen. Daher werde ich jetzt die Gegend erkunden gehen. Sehen was ich finden kann. Es gibt sicher noch Orte zu denen ich gehen kann. Auch außerhalb von der Küste. Wenn meine Vorräte soweit runter sind dann ziehe ich los. Sehe was sich mir noch bietet.#

Ich bin ein ganzes Stück die Straße entlang gegangen. Die alte Verbindungsstraße zur Insel mit dem Leuchtturm ist zwar schon etwas in sich eingefallen aber sie ist noch passierbar. Ich habe mich auf den Weg gemacht um mich um zu sehen. Die Harris-Heimstätte ist zwar nur noch eine Ruine aber in einem der Keller habe ich eine Schnur gefunden. Damit kann ich mir Angelwerkzeug machen. Sehr gut.

Auf dem Weg zurück zur Tankstelle begegnete ich einem jungen Wolf. Er sah mich und rannte verängstigt und winselnd davon. Scheinbar hatte er seine Mutter verloren.

Gefällt euch diese Geschichte / der Roman?

Dann würde ich mich darüber freuen wenn ihr mir einen Kaffee spendiert. Vielen Dank!



Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.